Labourholiday in Dalian

Letzten Freitag mittag haben wir von Mary erfahren, daß unser Zug am Südbahnhof um 8.00 Uhr morgens abfährt, und daß es wohl nicht möglich sei, um telefonisch 7.00 Uhr ein Taxi in die Stadt zu bestellen. Frank hörte das Gespräch zufällig mit, und lud uns prompt dazu ein, mit ihm im Studentenwohnheim zu übernachten, da er dort eh ein Zimmer hat.

dalian_serie_0004.jpg (29781 bytes) Das sollte ihm noch Leid tun: Abends fanden wir uns um 23.00 Uhr plötzlich in einem stockdunklen Studentenwohnheimzimmer wieder, da zum "Energiesparen" nachts der Strom abgeschaltet wird. Vorher bot uns Frank noch sein halbes Hab und Gut an, sogar seine Zahnbürste könnten wir benutzen. Nach einem kurzen Schlaf auf einem brettharten Bett kam Frank morgens um 5.56 Uhr an und wir erklärten ihm, daß er eine Stunde zu früh aufgestanden sei; 6.50 Uhr war ausgemacht.
Dann fuhr er mit uns per Taxi zum Südbahnhof, 15 Minuten vor Abfahrt schaute sich Frank die Fahrkarte an, und erklärte uns, daß dieses chinesische Schriftzeichen "Nord", und nicht "Süd" heisst! Dabei hatten wir 55 Yuan (+ 10 Yuan zum Vorbestellen) für den Expresszug bezahlt, der die 350 Kilometer nach Dalian in 4.5 Stunden schafft. Also raus aus dem Bahnhof; jetzt konnten wir per Bus - laut Frank wegen Überfälle nicht sicher - per Zug - laut Frank bekommen wir da eh keine Karten mehr, da jeder Shenyanger am 1. Mai nach Dalian fährt - per Flugzeug - (laut zweien westlichen Informatikpraktikanten zu western-style) - oder mit einem etwas unkonventionellerem Reisemittel - von einem Taxifahrer nämlich, der nur 1200 Yuan nach Dalian wollte...
Wir entschieden uns dazu, es doch am Nordbahnhof zu probieren, und bekamen noch Stehkarten für 33 Yuan (also 7 Mark für 350 Kilometer!) für den nächsten Bummelzug, der an jeder Mülltonne hält (dieser fuhr 6 Stunden) In der Wartehalle waren schon etwa 300 Leute, aber wir waren früh genug um - nach der Öffnung der Absperrung zum Bahnsteig - etwa in der Mitte des Menschensalats in Richtung Zug zu rennen.
Und dann wurde es brutaler, als wenn Erstklässler im Bus um den vordesten Platz kämpfen! (Die folgenden Szenen kann sich jetzt jeder selbst ausmalen...)
Irgendwie schafften wir es trotzdem nach etwa 15 Minuten zu einem Sitzplatz zu kommen (vielleicht wegen der langen Nase ;-))
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In Dalian angekommen, hatten wir jetzt bis abends Zeit, da wir ja mit dem deutschen Prof und der Chinesin plus Familie (welche sich zum Flugzeug umentschieden hatten) ein Zimmer suchen wollten (vorher schon ausgemacht; etwa 100 Yuan pro Nacht und Doppelzimmer wollten wir ausgeben, da es ab 40 Yuan aufwärts gehen sollte)
dalian_serie_0003.jpg (42410 bytes) Direkt vor dem Bahnhof...

der Victory Square

dalian_serie_0002.jpg (28648 bytes) Nur die  Schriftzeichen weisen darauf hin, daß wir uns hier in China befinden.
dalian_serie_0024.jpg (17570 bytes) In China duerfen die Architekten ihren Fantasien noch freien Lauf lassen.
dalian_serie_0019.jpg (27844 bytes) Friendship (Youhao) Square - hier haben wir viele westliche Delikatessen gefunden - Burger, HotDogs und Pommes.
Das Zentrum von Dalian ist wahrscheinlich die grösste Verkehrsinsel, die ich je gesehen habe. in der Mitte ein Platz, auf dem Tausende von Menschen stehen, Fuss-Indiaka oder Federball spielen, reden, tanzen oder Tai Chi praktizieren - so etwa 1/3 aus Peking, 1/3 aus Shenyang und 1/3 Einheimische; drumherum mörderischer Kreisverkehr und als Kulisse wunderschöne Gebäude, in der Nacht gelb bestrahlt (die Bäume übrigens grün!); das Ganze von Lautsprechern mit klassischer Musik beschallt; und als Langnase natürlich eine der Hauptattraktionen. Im weiteren Blickfeld viele futuristische Wolkenkratzer, vor allem Banken und Hotels.
dalian_serie_0021.jpg (42383 bytes) Wir gingen vom Bahnhof direkt zu diesem Platz, und wurden innerhalb von drei Minuten von zwei 12-jährigen in - wieder mal - sehr gutem Englisch angesprochen. Nach 15 Minuten standen bestimmt über 50 Leute um uns herum...
dalian_serie_0036.jpg (31379 bytes) die gleiche Stelle ein paar Stunden später.
An einem Tag in der Woche treffen sich hier Sprachen-
interessierte zum
"Foreign language corner chat".
Da sind natürlich "Langnasen" jederzeit gern gesehen.
dalian_serie_0104.jpg (30680 bytes) Abends bei klassischer Musik und stimmungsvoller Beleuchtung, spielt man hier Federball, Indiaka man tanzt, oder schaut einfach nur zu.
dalian_serie_0028.jpg (23891 bytes) Labourpark:
Speziell für diesen Tag (1.05) einen Freizeitpark
dalian_serie_0029.jpg (22079 bytes) Die beeindruckende Skyline einer kleinen Stadt (nur 5,6 Mio Ew.), die in den Reiseführern nur nebenbei erwähnt wird.
Abends haben wir uns mit den anderen getroffen, und sind sofort Seafood, also Meeresfrüchte, essen gegangen, zusammen mit irgendwelchen anderen, die Verwandtschaft oder sowas waren. Der Mann der Chinesin, die in Deutschland studiert hatte war übrigens als Student selber für 3 Monate an der Berliner Uni, und er konnte sogar einen deutschen Satz sprechen: "Ich bin dagegen!" Ich will hier nichts über das Essen selbst schreiben, nur daß es wider Erwarten durchaus empfehlenswert war. Aber das viel witzigere an diesem Abend war, als wir den anderen zuprosteten: In unserem Wörterbuch steht für "Prost!" "Gan bei!" was soviel heisst wie "Trocken Glas!", aber in China wird das wohl eher gewertet wie "Hau wech das Zeuch!". Hier wird einem von den Aufpassern (in Deutschland Kellner genannt) fast nach jedem Schluck nachgeschenkt, so daß es gar nicht so einfach war, nach jedem "Gan bei!" "das Glas zu trocknen!" Danach sind wir zu unserem Zwei-Sterne Hotel gelaufen - ohne fremde Hilfe übrigens - , das immerhin 250 Yuan kosten sollte; was aber immer noch billiger war als in einer deutschen Jugendherberge zu übernachten...
dalian_serie_0063.jpg (23936 bytes) Blick aus unserem Hotelzimmer
dalian_serie_0033.jpg (39834 bytes) etwas tiefer...
dalian_serie_0032.jpg (40819 bytes) ...richtet euer Augenmerk auf den schön durchgestylten Innenhof.
dalian_serie_0035.jpg (24609 bytes) Das Meer konnte man nicht sehen, dennoch ist das der Hafen.
Am Samstag Morgen zum Frühstück gab's Tee und Spiegelei, geschmacklose Teigtaschen, und als Krönung alles mögliche was "Pflanze" hiess und aus dem Meer kam. Danach gingen wir in den Xinghai Park, der wie die meisten anderen Parks in Dalian auch, am Meer lag, und aus einem Vergnügungspark, Seafood-Restaurants, Möglichkeiten zu Schiffahrten und der "Ocean World" besteht.
dalian_serie_0052.jpg (27682 bytes) im Xinghai Park
dalian_serie_0109.jpg (29049 bytes) Da die Karte nicht viel hergab, wollten wir uns einen Überblick verschaffen - auf dem Riesenrad.
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dalian_serie_0115.jpg (40927 bytes) Man muß nicht unbedingt immer zum Friseur, wenn man seinen Look ändern möchte.
dalian_serie_0105.jpg (35676 bytes) Früh übt sich...
Die Taxifahrer von morgen trainieren für den Einsatz in den Straßen!
Die "Ocean World"ist ein Unterwassertunnel mit Glasscheiben an der oberen Hälfte, so daß man hier sehr interessante Dinge sehen kann.
dalian_serie_0045.jpg (24676 bytes) da gabs zum Beispiel Fische und Chinesen, Chinesen und Fische, und sogar Chinesen mit Krawatte und Baseballkappe. Und Fische natürlich.
dalian_serie_0041.jpg (23006 bytes) Es kommt auch nicht oft vor, daß man Fische von unten betrachten kann.
Die Haie hier auf dem Bild, waren ganz harmlos.
dalian_serie_0043.jpg (27303 bytes) und wieder Fische...
dalian_serie_0046.jpg (34239 bytes) oh, wunder, noch mehr Fische...
jetzt reicht´s aber!
dalian_serie_0107.jpg (29953 bytes) Das "Highlight" des Tages, im wahrsten Sinne des Wortes, war aber die nichtblonde Dumpfbacke, die uns fotografieren wollte: Sie hielt ihren Foto verkehrtherum, und blitzte sich direkt ins Auge...
Die Chinesin besorgte uns die Tickets für die Rückfahrt am Montag abend (Schlafabteil wollten wir) und sie wollte die Tickets montag morgen in unser Hotel bringen lassen, da die anderen im besten Hotel von Dalian residierten. Danach saßen wir im Mac.., äh, ich mein "William's Burger", und trafen auf den ersten Deutschen - geschäftlich hier- aus Lindau. Er empfahl uns das "JJ", was sich als reinrassige westliche Disco herausstellte, gleichlaut, ähnliche Musik, etwas mehr Animation, etwas seltsameren Typen (Konversationsbeispiel: "Women shi g-a-y" "Women shi bu g-a-y!" "Oh?!"), ähnlichen Zeitgewohnheiten und echten westlichen Preisen: 25 Yuan pro Heineken, Carlsberg oder Keller.
dalian_serie_0057.jpg (29307 bytes) William's Burger, was sonst?
Als wir zum Hotel zurückkamen, musste der untere Türsteher erst mal die arme Fahrstuhlfrau aufwecken, damit sie uns in den zehnten Stock fahren konnte. Montag morgen um 8.00 Uhr klingelte es an unserer Zimmertür, und da stand ein dicker Kerl mit Motoradhelm und drückte mir die Tickets in die Hand. Hatten wir den "Do not disturb"-Schalter in der falschen Stellung? Ich sah mir die Tickets an, alles chinesische Schriftzeichen, aber die Zahlen sprachen mehr als Tausend Worte: 1999/5/3, 21:47, 33 Yuan, ok, alles klar. Hier braucht man als Wessi ja echt kein chinesisch können... Dann aber machte er mit klar, daß er noch was wolle, aber ich verstand nicht was. Wenn ich doch nur etwas besser chinesisch könnte... Er lies mich für etwa 10 Minuten im Schlafanzug zwischen Tür und Angel warten. Sooo lange hatte ich zwar noch nicht geschlafen, aber daß ich hier rumstand machte ja auch nichts, da man eh - genau wie bei uns im Softwarepark - morgens um 7.30 Uhr mit schönem Bauarbeitergehämmer geweckt wird. Auf jeden Fall kam er wieder mit einer Frau, die leicht unterdruchschnittlich englisch sprechen konnte, und sie erklärte mir:
"...this..this this this. day..."
"Today?"
"Yeah, yeah, yeah, today... nine"
"Ah, today nine o'clock"
"Yeah, yeah, yeah, yeah, ... ... ... four"
"Fourty?"
"Yeah, yeah, yeah, ...nine fourty ... tuff tuff tuff"
"Train ?"
"Yeah, yeah, ...train... raattaeer raattaeer tuff rattter tatter tuff tuff tuff tuff möööp tuff"
"Train station?"
"Yeah, yeah, yeah, yeah, ...train station!"
"Ok, I see, thank you!"
"Oh, alright, you're welcome!"
Nach geistreichen Diskussionen lässt sich einfach besser schlafen, und erst einige Stunden später fing der Tag für uns an. Wir gingen für's Früstück west-wessi-like zum KFC, wo wir die Stadtkarte wie so oft nach Busverbindungen zum Tigers-Beach-Park absuchten.
Auf der Karte den richtigen Bus zu finden war nicht so schwer, ganz im Gegenteil dazu im echten Leben. Nach vielen Gehminuten fanden wir uns wie so oft im Taxi wieder...
Dort gingen wir mit zwei englischsprechenden Touris aus Peking umher, fuhren Seilbahn und Boot, sahen eine Vogelhow mit dressiertem Papagei, der sich nur auf die von den Zuschauern hochgehaltenen 10 Yuan-Scheine stürzte, alle geringerwertigen aber ignorierte,   
dalian_serie_0067.jpg (27396 bytes) "Tigers Beach" - (Lahoutan)
dalian_serie_0069.jpg (40303 bytes) Vögel, die man reiten kann (sagt man zumidest)
dalian_serie_0073.jpg (48206 bytes) Ein eingezäuntes Waldstück, mit über 10000 Instanzen 200 verschiedener Vogelarten, von denen die meisten  aufs Verstecken spezialisiert waren
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dalian_serie_0087.jpg (30387 bytes) Eine Seefahrt, die ist lustig...
dalian_serie_0090.jpg (18457 bytes) nach einer Brise frischer Seeluft ging dann weiter,
dalian_serie_0091.jpg (36831 bytes) zu einer spektakulären Robbenshow
Wir sahen ein echtes chinesisches ...
dalian_serie_0099.jpg (24132 bytes) oder russisches Kriegsschiff...
... auf das wir uns sogar trauten
dalian_serie_0098.jpg (32459 bytes) ein chinesischer Kriegsfisch...
dalian_serie_0117.jpg (38774 bytes) Das hatten wir gestern schon zum Abendessen!
dalian_serie_0119.jpg (26344 bytes) und noch ein Fisch zum Knuddeln und Liebhaben...
ebenfalls entdeckten wir unser Abendessen fuer morgen
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dalian_serie_0095.jpg (43912 bytes) Ein Raumschiff ist es nicht, auch kein moderner Fahrradhelm mit eingebautem Verteidigungssystem.
Nach einem letzten Stadtbummel gingen wir eine halbe Stunde vorher zum Zug, der allerdings auch jetzt schon gerammelt voll war; zum Glück hatten wir diesmal Platzkarten... um genauer zu sein Sitz(!)platzkarten, also nicht im Schlafwagen... Die Nacht verbrachten alle irgendwie auf den Tischen, und Köffern, manche sogar auf den Sitzplätzen. Als wir um 3.45 Uhr in Shenyang ankamen, stürzten uns die Taxifahrer nur so auf uns, ein Wunder, daß wir nicht mit Gewalt in ein Taxi gezerrt wurden. Als wir dann noch erklärten, daß wir zum Softwarepark raus wollen, ging die Preishandelei los. Der geschickteste von ihnen schaffte es, uns für 40 Yuan dorthin zu bringen, letztenendes wollte er aber doch 50 Yuan... Wir fuhren nicht wie mit dem Softwareparkbus auf der Autobahn raus, sondern durch die Vorortslums, und es war unglaublich, wieviel dort um 4.30 Uhr noch oder schon los war... etwa wie um 16.10 Uhr vor einer deutschen Firmenausfahrt...
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